Klimawandel – Energiewende – Zeitenwende

Klimawandel – Energiewende – Zeitenwende

August 19, 2026 0 Von Christfried Lenz

Der Klimawandel ist eine Folgeerscheinung der Technikentwicklung. Die neuen Möglichkeiten, die sich durch Erfindung der Kraftmaschinen (Dampf-Maschine, Verbrennungsmotor) öffneten, haben uns derartig fasziniert, dass wir deren Energiebedarf nicht beachteten, und auch nicht, dass wir die Energie – nicht anders als in der Steinzeit – immer noch durch Feuer, durch Verbrennung von Kohlenstoff, bereitstellen. Damit verursachen wir den Klimawandel mit seinen katastrophalen Auswirkungen. Die durch Technik erreichten Lebenserleichterungen haben also eine Kehrseite: Zerstörung der natürlichen Grundlagen für höheres Leben auf dem Planeten überhaupt.


Warum gibt es eigentlich die Technik?

Schon die Bedürfnisse der frühen Menschen beschränkten sich nicht auf die materiellen Lebensvoraussetzungen wie Ernährung und Wetterschutz. Nichtmaterielle Interessen waren ihnen offensichtlich äußerst wichtig. Warum sonst verzierte man Tonkrüge, wodurch deren Gebrauchswert ja in keiner Weise gesteigert wurde? Warum widmete man Lebenszeit dem Tanzen, Trommeln und Ritualen?

Offenkundig begegnet uns schon hier der Unterschied von zweckbezogener Arbeit und freiem lustvollem Tun, welchen Aristoteles mit den Begriffen „Erzeugen“ auf der einen Seite und „bloßes Tun“ auf der anderen versah.

1 Durch die Technik sollen Zeit und Aufwand für das zweckgebundene „Erzeugen“ minimiert werden, um Raum für das lustvolle „bloße Tun“ zu gewinnen. In der Tat wurden aus Felszeichnungen Malerei und Bildhauerei, aus Ritualen Theater, Poesie und Musik, aus Dörfern Städte, aus Hütten Paläste. (1)
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(1) Vgl. Antonín Dick:
Befreiung von der Arbeit, in: UTOPIE kreativ, Heft 183, Januar 2006, S.73-76.

Wenn man das materielle Tätigkeitsfeld des Menschen in einem späteren, entfalteten und komplexeren Stadium betrachtet, kann der eigentliche Sinn und Zweck der Technik aber aus dem Blick geraten. Inwiefern dient die Entwicklung etwa der Waffentechnik dem „bloßen Tun“? Ganz offenkundig dient sie doch der Kriegsführung!

Oder die Technikentwicklung in einem kapitalistischen Betrieb: Sie dient der Rationalisierung zwecks Profitsteigerung. Was hat das mit Freiräumen für die nicht-materiellen Bedürfnisse des Menschen zu tun?

In der Frühzeit war sehr klar, welche Vorteile die Benutzung eines Faustkeils mit sich bringt und welche Freiheiten für die Lebensgestaltung daraus hervorgehen. Nachdem die Technik komplexer und ihre Weiterentwicklung immer schneller wurde, sind Berufe entstanden, in denen Menschen ihr ganzes Leben auf die Lösung technischer Probleme fokussieren. Da gerät die Frage nach dem tieferen Sinn und Zweck des Ganzen leicht in Vergessenheit.

Es verhält sich eben so: die Technik ermöglicht Freiräume für das Ausleben der Individualität, zwingt aber niemanden, das auch zu tun. Ob die Individuen diese Möglichkeit wahrnehmen oder nicht, bleibt ihnen überlassen – was von der ganzen Natur der Sache her auch gar nicht anders sein kann.

Eines ist aber klar: Wenn der besagte Zweck der Technik aus dem Bewusstsein und aus der Praxis verschwindet, wird die Technik von einer Hilfestellung für die Weiterentwicklung des Menschen zum Selbstzweck. Der Mensch wird damit auf seinen materiellen Bestandteil reduziert. Marx definierte den Arbeiter im Kapitalismus als „Anhängsel der Maschine“. In der Ausprägung, die die Technik heute angenommen hat, und bei dem Kurs, auf dem sich ihre Weiterentwicklung befindet, ist der Mensch nicht nur Anhängsel, sondern wird durch Maschinen umfassend determiniert. Ihn durch Roboter gänzlich und endgültig zu ersetzen, ist nur der nächste logische Schritt.

Verhältnis der Technik zur Natur

Bis einschließlich des römischen Imperiums und seiner unmittelbaren Folgen kann man die Existenzweise der Menschheit als nachhaltig bezeichnen. Gesellschaften mit Landwirtschaft und Handwerk als Grundlage kennzeichnen eine lange Epoche. Arbeitsenergie wird durch menschliche Muskelkraft, Arbeitstiere sowie etwas Wasser- und Windkraft gewonnen, Wärme durch Holzverbrennung. Kriege wurden geführt, waren aber eher ein Kräftemessen: Welche Gruppe ist der anderen überlegen? Das Motiv, die eigene, als höherwertig erachtete Kultur in andere Länder zu exportieren, spielte vielfach eine Rolle. Umweltschädigungen gab es auch damals. Wegen der Harmlosigkeit der Technik und der Winzigkeit der Menschheit affizierten sie das globale Gleichgewicht nicht.

Schon immer hat der Mensch in die Umwelt eingegriffen. Das Gleiche macht übrigens auch jedes Tier, sogar jede Pflanze. Schon durch sein bloßes Vorhandensein bewirkt jedes Lebewesen, dass von seinem Standort andere Arten verdrängt und ferngehalten werden. Solange dies im Rahmen einer gesunden Dosis geschieht, ist es unproblematisch, ja, fördert die Vielfalt der Lebensformen.

Auch die oft als Beleg für die angenommene grundsätzliche Schädlichkeit des Menschen herangezogene Entwaldung des Mittelmeerraumes stellte keine irreversible Katastrophe dar. Der gerodete Wald wurde von einer anderen Pflanzengemeinschaft, der Macchie, abgelöst. Allemal war dieser Vegetationsaustausch auf eine Region begrenzt. Das klimatische Gleichgewicht des Planeten wurde nicht tangiert.

Bei den Auswirkungen auf Umwelt, Biodiversität und Klima, die durch die Industrielle Revolution und die nachfolgende Technikentwicklung verursacht wurden, handelt es sich um eine damit völlig unvergleichbare Größenordnung. Hier schlägt Quantität in eine exuberant andere Qualität um.

Man sollte auch beachten, dass mit dem Hinweis auf frühere Umweltsünden der Menschheit die gleiche Argumentationsstruktur angewendet wird, wie man sie von Leugnern des menschengemachten Klimawandels kennt. Diese wollen bekanntlich mit dem Verweis auf die zahlreichen Klimaveränderungen, die es im Lauf der Erdgeschichte gegeben hat, belegen, dass die derzeitige Temperaturerhöhung nichts Besonderes ist. Tatsächlich unterscheidet sich die anthropogene Erhitzung aber ganz klar von früheren Klimaveränderungen, und entsprechend verhält es sich mit den aktuellen Umwelteingriffen des Menschen im Vergleich zu jenen früherer Epochen, als es noch keine Kraftmaschinen gab.

Technischer Fortschritt schlägt um in Destruktion

Das Ende der nachhaltigen Phase wurde im europäischen Mittelalter eingeläutet. Durch Feuerwaffen in Verbindung mit großen hochseetauglichen Schiffen gewann der Europäer, der „weiße Mann“, eine technische Überlegenheit über alle anderen Kulturen. Er nutzte sie, um seine weltweite Vorherrschaft einzuleiten.

Auch hier spielte der Kulturexport noch eine Rolle, jedoch bloß als betrügerische Verschleierung der wirklichen Absichten. Mit dem Vorwand, „Heiden“ zum Christentum zu bekehren, bereiteten Missionare den Kolonisatoren den Boden. Unvorstellbar grausame Folterungen der Eingeborenen stellten sie als „Barmherzigkeit“ hin, weil dadurch die Höllenqualen erleichtert würden, die den Ungläubigen nach dem Tod bevorstünden.

Im 18. Jahrhundert folgte die Erfindung der Dampfmaschine. In gewissem Sinn stellt sie eine Weiterentwicklung der Schusswaffen dar. Bei diesen wird durch explosiv erzeugten Gasdruck eine Kugel einmalig durch den Lauf getrieben. Bei der Dampfmaschine wird ein Kolben durch den Zylinder gedrückt, aber wieder zurückgeholt. Dieser Vorgang wiederholt sich in schneller Folge, und so oft, wie es der Mensch wünscht. Naturkräfte in fast unbegrenzter Stärke werden, genau dosiert, dazu gebracht, vom Menschen gewünschte Arbeit zu verrichten. Zur Kontrolle schaut der Mensch zu, während die Maschine selbsttätig sägt, bohrt oder schleift. Man kann nachvollziehen, welch ein Faszinosum das war, und dass sich bisher unvorstellbare Möglichkeiten abzeichneten, die die Welt verändern würden.

Nun geht es Schlag auf Schlag. Die Industrielle Revolution modelt die gesamte Gesellschaft gemäß der Großtechnik, bei welcher der Maschineneinsatz am effizientesten ist. Es kommt zur Massenfertigung gleichartiger Produkte und damit auch zu Gleichschaltungen in der Bevölkerung.
In einem zuvor auch nicht annähernd erlebten Tempo rast die Entwicklung. Der Maschinisierung folgt die Automatisierung, dieser die Digitalisierung und inzwischen auch die „Künstliche Intelligenz“. Dabei kam es bereits zu einem frühen Zeitpunkt zu schädlichen Auswirkungen der Technik. Aufgeschlossene Geister ahnten es bereits im 19. Jahrhundert. Goethe weist im Zauberlehrling darauf hin, dass dem Menschen eine sinnige Steuerung der technisierten Wirtschaft entgleiten könnte. Marx schrieb:

„In der Entwicklung der Produktivkräfte tritt eine Stufe ein, auf welcher Produktionskräfte und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, welche unter den bestehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Produktionskräfte mehr sind, sondern Destruktionskräfte […].“ (2)

Auch erkannte er bereits, dass moderne Methoden der Landwirtschaft, wie sie damals in den USA begannen, auf längere Sicht den Boden schädigen: „Und jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebne Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quelle dieser Fruchtbarkeit.

[…] Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.“ (3)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich derartige Erkenntnisse weiter. Bereits 1899 wurde der Naturschutzbund Deutschland (NABU) gegründet.

Die breite Öffentlichkeit nahm erst seit den 1960er-Jahren „Umweltverschmutzung“, „Umweltzerstörung“, Artenschwund und weitere Schadwirkungen der modernen Technik wahr. Bürgerbewegungen entstanden, um dagegen vorzugehen.

Ein paar weitere Jahrzehnte dauerte es, bis auch der Klimawandel im gesellschaftlichen Bewusstsein ankam.

Nachdem bisher nie erlebte Wetterextreme Städte zerstörten, Existenzen ruinierten, Menschen töteten, kamen nicht wenige sensible Individuen zur Erkenntnis, dass die Menschheit in ihrer ganzen Existenzweise eine grundsätzliche Wende vollziehen muss.

Die Schädigungen der Ökologie werden vermehrt durch eine weitere Schadwirkung ganz anderer Art: Die Technik erfüllte zwar die in sie gesetzte
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(2) Karl Marx / Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie. Kritik der neuesten deutschen Philosophie in ihren Repräsentanten Feuerbach, B. Bauer und Stirner, und des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten, in: Dies.: Werke, hrsg. v. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED [im Folgenden: MEW], Bd. 3, Berlin: Dietz Verlag, 1969, S. 69.

(3) Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. Buch I: Der Produktionsprozeß des Kapitals, in: MEW, Bd. 23, Berlin: Dietz Verlag, 1962, S. 529 f.

Hoffnung auf Verkürzung der Arbeitszeit und entsprechend mehr Freizeit, doch den ständig nach neuen Anlagemöglichkeiten lechzenden Kapitalbesitzern fiel etwas ein, was man eigentlich nicht gemeint hatte: Die durch Reduzierung der Arbeitszeit per Technik gewonnene Freizeit überließen sie nicht der kreativen Entfaltung der Individuen, sondern entwickelten dafür eine eigene Industrie, die Freizeit- und Unterhaltungsindustrie. Mit deren käuflichen Produkten usurpieren sie nun auch die Privatsphären. „Nichtarbeit“ wird in diesem Geschehen also zu einem Arbeitsprodukt, zu einer Ware!
An dieser Stelle mag man eine Ahnung bekommen, wie tief in einem Sumpf aus Absurdität und Fäulnis wir uns befinden. – Die Profiteure schlagen dabei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie vermehren ihr Kapital und beeinflussen das Innenleben ihrer Kunden in einer Weise, wie es ihnen (den Profiteuren) in den Kram passt.

Wenn die Technik zum Selbstzweck wurde, wird Zeitgewinn durch Automatisierung von Arbeitsgängen dazu verwendet, weitere Arbeitsgänge zu automatisieren. Während so immer mehr Verrichtungen immer schneller und müheloser abgewickelt werden, macht das die Menschen jedoch nicht freier, sondern bringt sie in neue Abhängigkeiten: von den materiellen Maschinen und von den psychologischen Beeinflussungen, denen sie die Gestaltung ihrer sogenannten Freizeit überlassen.

Klimawandel treibt Energiewende hervor

Während die Destruktivität unserer Produktionsweise immer handgreiflicher wird, treten gleichzeitig neue und positive Faktoren auf den Plan: Mit der Erkenntnis, dass die Verbrennung fossiler Stoffe aufhören muss, kam die Photovoltaik hoch und ermöglichte emissionsfreie Stromerzeugung. Der photovoltaische Effekt war bereits im 19. Jahrhundert entdeckt worden. Ausgerechnet der Weltraumforschung ist es zu verdanken, dass diese Entdeckung praktisch – und auch für die Erde – nutzbar gemacht wurde. Parallel dazu wurde die uralte Windmühle mit modernen Möglichkeiten zu
erstaunlicher Leistungsfähigkeit optimiert.

Es kommt hier zu einer hochinteressanten Verbindung: ein quasi „zurück zur Natur“ vereinigt sich mit modernster Technik!

Eine Agri-Photovoltaik-Anlage im Obstbau bei Kressbronn am Bodensee, bei der Landwirtschaft  und Stromerzeugung kombiniert werden. Quelle: Lisamiri, Wikimedia, CC BY-SA 4.0.

Bild: Eine Agri-Photovoltaik-Anlage im Obstbau bei Kressbronn am Bodensee,
bei der Landwirtschaft und Stromerzeugung kombiniert werden.
Quelle: Lisamiri, Wikimedia, CC BY-SA 4.0.

Bei der Photovoltaik haben wir zusätzlich die Verbindung von Massenproduktion der Module auf der einen Seite mit völlig individuellen Gestaltungsmöglichkeiten bei deren Einsatz. Letzteres hat Auswirkungen auf die Struktur der gesamten Stromversorgung:

Die fossilen oder atomaren Großkraftwerke, von denen wenige das ganze Land mit Strom versorgen, entsprechen dem zentralistischen Geist des 19. Jahrhunderts. Die natürlichen Stromquellen sind dem gegenüber dezentral und kleinteilig. Überall, wo die Sonne scheint, Wind weht und Strom benötigt wird,
kann die Auffang- und Umwandlungstechnik errichtet werden – hinsichtlich Größe und Beschaffenheit ganz so, wie es den örtlichen Umständen und Bedürfnissen entspricht. Damit geht die für die Gesellschaft grundlegende Branche, die Energieversorgung, von wenigen Konzernen in die Hände von Millionen Menschen über. Das hat Konsequenzen.

Ebenso, wie die Großtechnik des 19. Jahrhunderts die ihr adäquate Gesellschaftsstruktur hervorbrachte, verhält es sich auch beim Übergang auf die „erneuerbar“ – oder besser „bleibend“ – genannten 4, naturgegebenen Energien. Auch sie bringen tiefgreifende Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen mit sich – das Kontrastprogramm zur Industriellen Revolution!

Emanzipatorische Prozesse

Wenn Millionen Menschen die Energiewirtschaft übernehmen, handelt es sich um einen Schritt vom Parlamentarismus zu tatsächlicher Demokratie. Mit der Gestaltungsmacht und politischen Bedeutung, die sie damit gewinnen, fällt ihnen freilich auch die entsprechende Verantwortung zu. Emanzipatorische Prozesse sind gefragt! Persönlichkeiten mit Mut zu autonomem Handeln bei gleichzeitiger Verantwortlichkeit für das Gemeinwesen müssen heranwachsen. – Und die Anfänge sind da! In kurzer Zeit haben sich mehr als 1.000 Bürger-Energiegesellschaften gegründet, um für ihre Mitglieder Strom zu erzeugen. Als neues wirtschaftliches Phänomen ist der „Prosumer“ entstanden, der den Strom, den er konsumiert, selber produziert.
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(4) Vgl. Christfried Lenz: Bitte Hermann Scheer lesen!, pv-magazine.de, 12.08.2022 (online).

Auch in anderen Branchen wendet sich wirtschaftlich relevantes Tun gegen die Natur- und Klimazerstörung. Die biologische Landwirtschaft entzieht durch Photosynthese der Luft CO2 , Kleinstlebewesen transportieren den Kohlenstoff in den Humuskörper und in tiefere Bodenschichten, wo er über lange Zeiträume gespeichert wird.5 Produktion hochwertiger Lebensmittel verbindet sich somit ohne zusätzlichen Aufwand mit Klimaschutz und Bodenverbesserung. – Dass diese CO2-Bindung entsprechend den Preisen im Emissionshandel vergütet gehört, ist überfällig!

Auch soziale Wirkungen gehen mit der biologischen Landwirtschaft einher: Im Gegensatz zur Agrarindustrie ist sie kleinteilig und dezentral – ganz analog zu den bleibenden Energien. Das ist eine gute Voraussetzung für „Solidarische Landwirtschaft“ (Solawi): lokale Kooperationen von Erzeugern
und Verbrauchern. Wenn Letztere bei der Arbeit auf dem Bauernhof mithelfen, entsteht auch hier der „Prosumer“.

Vereinigung von „Erzeugen“ und „bloßem Tun“

Zwischen dem in der biologischen Landwirtschaft verbreiteten Geist und dem in den „Erneuerbare-Energien-Gesellschaften“ besteht eine enge Verwandschaft: Man arbeitet nicht bloß für den materiellen Zweck, sondern wird gleichzeitig von einem ethischen Motiv angetrieben: beitragen, dass der Raubbau an den natürlichen Ressourcen aufhört, dass die Gaben der Erde mit Respekt und Dankbarkeit entgegengenommen werden und die in der Vergangenheit zugefügten Wunden heilen können.

Damit kommt es zum Ineinanderfallen von Tätigkeiten, die einem materiellen Zweck dienen, mit Motiven spiritueller Art, zur Vereinigung des „Erzeugens“ mit dem „bloßen Tun“. Das bisherige Motiv des Wirtschaftens, einen möglichst großen Profit zu generieren, wird abgelöst von der inneren Befriedigung, die sinnvolles Tun als solches vermittelt.

Nicht nur Bio-Landwirtschaft und Bürgerenergie sind von diesem Geist geprägt, auch in den Branchen für biologische Bekleidung, biologische Baustoffe und weiteren Bereichen geht es nicht um den Maximalprofit, sondern um die Schaffung von Produkten, die für die Menschen und für die Erde gut und gesund sind.
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(5) Vgl. Bernhard Wessling: Nachhaltigkeit durch Bio-Landwirtschaft : Reduzierung von Kohlen –
dioxid (CDR) und Wiederherstellung der Biodiversität, preprint, bernhard-wessling.com (online)

Die „Strategie“


Das „alte Regime“, die alten Kategorien sind allerdings weiterhin mächtig und intensiv dabei, ihre destruktive Technik beizubehalten und voranzutreiben.

In diese Richtung wirkt auf der einen Seite die Kaste jener Subjekte, die sich unermesslichen Reichtum angeeignet haben, auf der anderen Seite eine Bevölkerung, die über viele Jahrzehnte medialer Beeinflussung ausgesetzt, eigener Meinungsbildung entwöhnt und durch die Automatisierung von immer mehr für die Lebensführung notwendigen Verrichtungen in einen Zustand tiefer Passivität versetzt wurde. Diese Bevölkerung an ihre verschütteten Fähigkeiten zu erinnern und zu motivieren, diese zu aktivieren, erscheint zumindest als Herkulesaufgabe.

Trotz alledem hat aber auch und gerade diese Bemühung einen Sinn in sich selbst, unabhängig von äußerer Belohnung in Form des Erreichens wünschenswerter Ziele. Ja, die Realisierung einer besseren Zukunft kann niemand versprechen. Alles dafür zu tun und zu geben, ist das Weitestgehende, das in der Gegenwart möglich ist – und wo immer dies geschieht, ist es eine wunderbare Einladung zum Feiern!

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Literatur
• Dick, Antonín: Befreiung von der Arbeit, in: UTOPIE kreativ, Heft 183,
Januar 2006, S.73-76.
• Lenz, Christfried: Bitte Hermann Scheer lesen!, pv-magazine.de, 12.08.2022
(online).
• Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band.
Buch I: Der Produktionsprozeß des Kapitals, in: Karl Marx / Friedrich
Engels: Werke, hrsg. v. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der
SED, Bd. 23, Berlin: Dietz Verlag, 1962.
• Marx, Karl / Engels, Friedrich: Die deutsche Ideologie. Kritik der neuesten
deutschen Philosophie in ihren Repräsentanten Feuerbach, B. Bauer und
Stirner, und des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten,
in: Dies.: Werke, hrsg. v. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der
SED, Bd. 3, Berlin: Dietz Verlag, 1969.
• Wessling, Bernhard: Nachhaltigkeit durch Bio-Landwirtschaft : Reduzie –
rung von Kohlendioxid (CDR) und Wiederherstellung der Biodiversität,
preprint, bernhard-wessling.com (online).