Quecksilber auf der Straße Molochsberg in Cheine

Quecksilber auf der Straße Molochsberg in Cheine

Mai 12, 2026 6 Von Christfried Lenz

UPDATE 09.05.2026


„Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“

Wäre es nicht angebracht, dass sich der Salzwedeler Stadtrat mal dafür interessiert, dass die Stadt Salzwedel (also deren Bürger) die Kosten des Quecksilberschadens in Cheine tragen sollen?

Es wird so getan, als sei völlig unbekannt, wer der Verursacher sein könnte. Es ist so, wie wenn in einer privaten Garage, in der  ausschließlich ein und das gleiche Auto abgestellt wird, eines Tages ein Ölflecken auf dem Boden erscheint und nun ein großes Rätselraten beginnt, wodurch dieser Flecken wohl verursacht wurde…. Ist Salzwedel Schilda – oder was ???

Ich habe von Anfang an öffentlich verbreitet: „Wer bezweifelt, dass das Quecksilber aus der Erdgasförderung stammt, muss sagen, woher es statt dessen gekommen sein könnte.“ Inzwischen wurde auch noch darauf verwiesen, dass das altmärkische Quecksilber eine Erkennungsmarke hat, nämlich Anteile von Blei. – Dass diese bei dem Fund in Cheine ermittelt wurden, scheint nicht der Fall zu sein.

In der Bürgerversammlung am 02.03.2026 im Feuerwehrhaus Cheine (geleitet von Landrat Kanitz und Bgm. Meining) wurde allgemein und mit Selbstverständlichkeit davon ausgegangen, dass das Quecksilber nur aus der Erdgasförderungg stammen kann. Anwohner berichteten, dass Fahrzeuge, die ihrer Einschätzung nach mit der Erdgasförderung zu tun hatten, auf der Straße Molochsberg unterwegs waren.

Nachdem Neptune zunächst jede mögliche Verbindung mit dem Quecksilberfund von sich gewiesen hatte, räumte es ein, vor einigen Monaten Rückbauarbeiten in der Nähe durchgeführt zu haben. Dabei werden die alten Rohre ausgebaut und abtransportiert. In ihnen befindet sich Quecksilber. Damit es nicht austritt, müssen die Rohre mit Kappen verschlossen werden. Neptune und die Firma, die in Neptune’s Auftrag die Arbeiten ausführte, schoben sich gegenseitig die Verantwortung zu: Neptune unterstellte der Firma, nicht vorschriftsmäßig transportiert zu haben, die Firma argumentierte, dass der Auftraggeberfirma Neptune die Verantwortung für das gesamte Verfahren zukomme.

Solang sich diese beiden Auffassungen gegenüber stehen, ist also „nicht bekannt, wer den Schaden verursacht hat“ – und jemand, der den Schaden nun ganz sicher nicht verursacht hat (die Stadt Salzwedel), bekommt die Kosten aufgebrummt. – Also hallo, das soll Recht sein???

Neptune und seine Vorläuferfirmen, haben (anders als etwa in Niedersachsen) das altmärkische Erdgas ohne Förderzins geschenkt bekommen (und mit der geplanten Lithium-Förderungen rechnet sich das Unternehmen noch mehr Profite aus), und jetzt soll die öffentliche Hand auch noch die Kosten von Pfusch bei der Arbeit übernehmen???

Dazu sollten die gewählten demokratischen Organe doch Stellung beziehen –  oder?

Wieder Quecksilberfund, diesmal im Wald

Während unsere Gedanken noch bei Cheine sind, kommt heute (12.05.2026) die nächste Meldung rein: Am vergangenen Sonntag fand ein Spaziergänger Quecksilber auf einem Waldweg bei Groß Bierstedt.

Update 12.05.2026

und am selben Tag in der Altmark Zeitung:


Dass sich die Firma Neptune Energy mit Aussagen zur Verursachung zurückhält, wundert nicht. Schließlich sind es ihre Gasförderrohre, in denen das Quecksilber aus dem tiefen Untergrund der Altmark nach oben kommt. Immerhin räumt Neptune ein, dass in der Nähe des neuen Quecksilber-Fundortes Rückbauarbeiten stattfanden oder noch stattfinden, in deren Zug die mit Quecksilber belasteten Rohre zur Reinigung nach Steinitz transportiert werden. Landrat Kanitz hingegen tut laut Volksstimme-Bericht jeden Zusammenhang des Quecksilberfundes mit der nahen Sonde pauschal als „reine Spekulation“ ab. Unwillkürlich stellt sich die Frage: Was ist für den Landrat Kanitz wichtiger: Die Gesundheit der Region oder Ungemach von der Firma Neptune fernzuhalten?

Gut, dass wieder eine öffentliche Aufmerksamkeit für die schädlichen Auswirkungen des altmärkischen Bohrlochbergbaus entstanden ist, die ja auch dann gegeben sind, wenn statt Erdgas Lithium aus der Tiefe geholt wird. – Doch bis es so weit ist, kann es gut sein, dass umweltfreundliche und kostengünstige Natrium-Ionen-Batterien das Lithium abgelöst haben. Sie sind kräftig auf dem Vormarsch – China macht auch in diesem Sektor vor, wo die Reise hingeht.

(Christfried Lenz)



ARCHIV Rückblick:

Presse-Erklärung Sorgloser Umgang mit dem hochgiftigen Schwermetall

Am Dienstag (24.2.) wurde das Quecksilber entdeckt und gemeldet. Bis zum Freitag (27.2.) spielte sich jeden Tag Folgendes ab: Beauftragte der Fa. Neptune erscheinen, komplett verhüllt in Schutzanzügen und Masken, und führen Reinigungsarbeiten aus. Wenn ihre Schicht vorbei ist, steht die Straße wieder den Anwohnern zur Verfügung – ohne Schutzanzüge und Masken.

Dieses Vorgehen kann nur als inkonsequent und sorglos bezeichnet werden. Quecksilber ist so gefährlich, dass sein Einsatz komplett verboten wurde. Es besteht die gesetzliche Pflicht, sämtliche noch existierenden Bestände durch chemische Verbindung mit Schwefel unschädlich zu machen und in speziell hierfür ausgelegten Deponien zu entsorgen. So steht es in der Quecksilberverordnung, die in allen EU-Staaten geltendes Recht ist.

Wir wissen bislang nicht, woher das in Cheine entdeckte Quecksilber stammt und wie es an seinen jetzigen Fundort geraten ist. Die bei den Reinigungsarbeiten zu konstatierende Sorglosigkeit erinnert aber unvermeidlich an die Sorglosigkeit, die das Unternehmen Neptune bei seiner Abfallgrube in Brüchau an den Tag legt. In dieser befinden sich hunderte Tonnen metallisches Quecksilber, und die Firma verweigert – leider mit Genehmigung des Landesbergamtes – die von der Quecksilberverordnung vorgeschriebene Behandlung. – Der BUND kämpft derzeit vor Gericht für die Umsetzung des geltenden Rechts.

Bei der altmärkischen Erdgasförderung gibt es ja leider so etwas wie eine bedauerliche Tradition der Sorglosigkeit im Umgang mit Quecksilber. Ehemalige Bergarbeiter berichten, dass sie zu DDR-Zeiten durch ganze Pfützen aus Quecksilber gestapft sind. Sie berichten auch, wie Viele von ihnen vorzeitig an Vergiftungen gestorben sind. Ob diese Sorglosigkeit auch heute noch nicht ganz ausgestorben ist?

Im altmärkischen Untergrund befinden sich nun mal sehr große Mengen Quecksilber. Falls die Firma Neptune in die Lithium-Förderung einsteigen sollte, kommt sie damit in intensive Berührung. Die Sorglosigkeit, die ihren Umgang mit diesem hoch giftigen Material bei der Grube Brüchau kennzeichnet und jetzt auch die von ihr organisierten Reinigungsarbeiten in Cheine, macht da kein gutes Gefühl.

Bildquelle: www.freepik.com


Update 6. März 2026:

Die bisherige Version Neptunes lautete: Herkunft des Quecksilbers unbekannt. „In den letzten Monaten“ habe Neptune in dem Bereich nicht gearbeitet. – Ich schloss daraus gleich messerscharf: „Diese Aussage impliziert, dass vor den letzten Monaten Neptune dort gearbeitet hat.“ Und das wird jetzt bestätigt:

Angesichts der konsequenten investigativen Arbeit insbesondere von Beate Achilles (Volksstimme), sowie von Markus Wölk (Altmarkzeitung) und Bernd Volker Brahms (MDR) hat Neptune es vorgezogen, mit dem Lügen besser aufzuhören. Jetzt geben sie zu, dass sie von August bis November 2025 in diesem Bereich Rückbauarbeiten ausgeführt haben, wobei es nahe liegt, dass die alten kontaminierten Erdgasrohre durch die Straße Molochsberg in Cheine, wo das Quecksilber gefunden wurde, transportiert wurden. (siehe hierzu die Skizze in Anhang 2) – Vorsorglich versucht Neptune, die Verantwortung schon mal „nach unten“ abzuschieben: Für die Dichtigkeit der Transportcontainer sei der jeweilige Fahrer zuständig gewesen!


Pressemeldungen:

Quelle: Volksstimme

Update 27. März 2026 – Straße muss saniert werden

Quelle: Volksstimme