Atommüll-Endlager Altmark?

Am 13. November 2019, 19 Uhr hat die Dorfgemeinschaft Waddekath in Höddelsen, im Dorfgemeinschaftshaus zu einer Veranstaltung eingeladen:

Die Altmark – das neue Gorleben ?
Infoveranstaltung mit Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt

Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“, referierte in Waddekath. Foto: Anke Pelczarski

Hier der Beitrag der Volksstimme zu der Diskussionsrunde:
https://www.volksstimme.de/lokal/salzwedel/diskussionsrunde-atommuell-vor-der-tuer-nein-danke

Sprecher der BI Saubere Umwelt & Energie Dr. Christfried Lenz sagt dazu:

Dr. Christfried Lenz

Sicherheit für 1 Million Jahre – wow!

Für 1 Million Jahre soll das Atommüll-Endlager also sicher sein. – Kopfschütteln im Saal. Wer eine solche Aussage in die Welt setzt, ist der von der Hybris befallen oder dumm, oder was?

Ich vermute, dass die Erfinder dieses Postulats genauso gut wie jeder andere wissen, dass es absurd ist. Wahrscheinlich verfolgen sie mit der gigantomanischen Rhetorik einfach die Absicht, dem Endlager-Projekt Respekt zu verschaffen, um den Widerstand zu verunsichern.  – Eine von Menschen geschaffene Anlage die 1 Million Jahre überdauert – wow, das wäre einmalig in der Weltgeschichte, dem gegenüber verblassen die ägyptischen Pyramiden!

Das Problem ist real. Der Müll existiert, muss irgendwo hin. Dass wir für den Müll, der in Deutschland produziert wurde, auch selber die Verantwortung übernehmen, ihn also nicht wie den Plastikmüll anderen Ländern zum Geschenk machen, finde ich in Ordnung.

[Kleine Randbemerkung zum „Geschenk“:  Das Privateigentum ist Grundstein dieser Gesellschaft. Doch komisch: es ist von sehr begrenzter Dauer! Wenn ein Gegenstand abgenutzt ist, seinen Gebrauchswert verloren hat, sind wir am Privateigentum plötzlich nicht mehr interessiert. Im Gegenteil: wir bezahlen sogar noch Geld dafür, dass unser Eigentumsrecht aufgehoben und der Gegenstand in der Mülltonne kollektiviert wird. – Ob die auf dem Privateigentum basierende Gesellschaft auch einmal  kollektiviert wird und im Mülleimer landet???]

Hehrer Grundsatz der Endlagersuche: ausschließlich nach wissenschaftlichen Kriterien (Geologie) soll der Standort in Deutschland ausfindig gemacht werden, der am wenigsten unsicher ist. (Kaum gerät man auch nur ein bisschen näher zur Praxis, zur realen Welt – schon sind die „1 Million Jahre“ weg, ersetzt durch „am wenigsten unsicher“. Dass die Million nichts weiter als versuchte Eindrucksschinderei ist, wird offensichtlich.)

Mit wenigen Hinweisen machte Jochen Stay evident, dass auch jener Grundsatz keinen Deut realisierbarer als die 1 Million Jahre ist. Letztlich wird das Lager dorthin kommen, wo der Widerstand am geringsten ist. Dies war ja auch das Motiv für Gorleben gewesen. Bei der Einschätzung des hier zu erwartenden Widerstands hatte man sich freilich verkalkuliert.

Als Stay mal soeben die Jahrzehnte durchblätterte, die bis zur Realisierung eines Endlagers noch zu erwarten sind, wurde mir ganz anders. Im Nu war er in den 70ern angelangt und zitierte Schätzungen, die den Zeitpunkt erst nach 2100 sehen. –  2100? – Da haben wir doch – wenn die Klima- und Energiepolitik weitergeht wie bisher – 4 Grad und mehr Temperaturerhöhung mit final-katastrophalen Zuständen, Küstenüberflutungen, hunderten Millionen Flüchtlingen, absolutes Chaos…  Und in dieser Situation soll eine sorgsame Behandlung des Atommülls stattfinden??? – Also hallo!

Dies führte ich auch in meinem Redebeitrag vor Augen und machte klar,  dass der erfolgreiche Vollzug der Energiewende unabdingbare Voraussetzung dafür ist, dass der Atommüll ordentlich behandelt werden kann. – Womit wir nach all den Gedankenausflügen wieder in der Gegenwart und bei dem, was hier zu tun ist, ankamen. – Immerhin klatschten die Leute kräftig. Mehr als dies war in diesem Moment nun auch nicht möglich.


Hintergrund:

Im März 2017 hat der Bundestag das Standortauswahlgesetz verabschiedet. .ausgestrahlt hat das Verfahren auf den Prüfstand gestellt und zeigt: In dieser Form führt es nicht zu einem geeigneten Atommüll-Lager, sondern in Konflikte mit der Bevölkerung an den potenziell betroffenen Standorten.

Die Veranstaltung zum Thema Standortsuche bot die Möglichkeit, sich zu informieren, Fragen loszuwerden und sich mit anderen Betroffenen zu vernetzen und ggfs. gemeinsam Handlungsoptionen zu erörtern.


Die BI Saubere Umwelt & Energie Altmark dazu:
Viele Salzstöcke sind durch Erdgas- und Erdölbohrungen durchteuft worden. Diese sind damit für die Atommüll-Endlagerung ungeeignet. Erläuterung dazu am Beispiel Salzstock Waddekath, ca. 50 km von Gorleben entfernt. Im Bereich des Salzstockes Waddekath (Lage des Salzstockes http://webs.idu.de/lagb/lagb-default.asp?thm=tek400&tk=C3530) wurde seit Ende der 50er Jahre nach Erdöl und Erdgas gesucht. Zu diesem Zweck wurden mindestens 7 Explorationsbohrungen (Lage der Bohrungen  https://boreholemap.bgr.de/mapapps/resources/apps/boreholemap/index.html?lang=de) niedergebracht. Diese Bohrungen haben Tiefen zwischen 1.200 m bis 4.000 m, so hat die Erdgasbohrung Neuekrug 1, ca. 500 m nordöstlich von Waddekath entfernt, den Salzstock Waddekath komplett durchteuft.

Schlecht abgedichtete Bohrlöcher können im Salzstock Waddekath ein erhebliches Gefahrenpotential darstellen. Nach Angabe eines Bohringenieurs, welcher 20 Jahre für Gaz de France und GdF Suez bei Bohrvorhaben in den altmärkischen Erdgasfeldern tätig war, sind viele Erdgasbohrungen schlecht zementiert worden. „Bei fehlender Zementation oder fehlerhafter Zementation fehlt die Abdichtung der Bohrlöcher zu den Erdgas-Lagerstätten. Erdgas und Lagerstättenwässer kann im Bereich zwischen äußerem Stahlrohr und Gebirge nach oben aufsteigen“, berichtete der Bohringenieur von Gaz de France bei einem fachlichen Austausch dem Wasserwirtschaftsingenieur Bernd Ebeling.

Auch Erdölbohrungen können undicht sein. Das zeigt das aktuelle Beispiel im niedersächsischen Emlicheim. „Nach Auskunft des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) sind ca. 500 m der 850 m tiefen Erdölbohrung Emlicheim 132 nicht zementiert worden. Das kann auch bei den Erdölbohrungen im Waddekather Salzstock vorkommen.

Insgesamt stellen diese Bohrungen ein erhebliches Gefahrenpotential dar, was zu einem Ausschluss des Salzstockes Waddekath aus dem Endlagersuchverfahren führen muss,“ fasst Bernd Ebeling zusammen.

Beispielhaft zeigt das Foto Bohrlocharbeiten auf der Erdgasbohrung Pes 5, welche den benachbarten Salzstock Peckensen durchteuft.

Die BI „Saubere Umwelt & Energie Altmark“ hat an der Veranstaltung am 13.11.2019 in Höddelsen teilgenommen und die genannten und weitere Argumente in die Diskussion eingebracht.

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