1,5 Grad physikalisch noch möglich, aber nicht politisch

August 6, 2023 0 Von Christfried Lenz

Stefan Rahmstorf (Klimaforscher und Ozeanograph am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung) wurde am 30.07.2023 vom Deutschlandfunk interviewt.
Seine erschütternde zentrale Aussage: physikalisch liegt die Begrenzung der Klimaerwärmung auf 1,5 Grad noch im Bereich des Möglichen, politisch fehlt jedoch die Bereitschaft, die hierfür erforderlichen Maßnahmen vorzunehmen.
Auch in Bezug auf die deutsche Regierung stellt Rahmstorf fest, dass sie den Klimaschutz nicht prioritär behandelt, fährt aber fort: „Ich glaube, dass Habeck alles versucht und auch sehr viele wertvolle Veränderungen schon auf den Weg gebracht hat zu den Erneuerbaren und auch das Gebäude-Energiegesetz.“
Dass auch Habeck den Klimaschutz nicht an die erste Stelle setzt, sondern dem LNG, dem blauen Wasserstoff und im Zusammenhang damit dem CCS mit Abstand die energiepolitische Priorität einräumt, übergeht Rahmstorf.
Vermutlich will er den Minister, der heftigen Angriffen von Klimaschutzgegnern ausgesetzt ist, nicht auch seinerseits noch kritisieren. Menschlich ist das verständlich. Letztlich unterstützt er ihn durch diese Schonung aber gerade nicht. Wenn der Minister von den Werten, für die er angetreten ist, abweicht, dann muss das auf den Tisch und nicht kaschiert werden! – Indem Rahmstorf das Wirken des grünen Wirtschaftsministers nicht wahrheitsgemäß charakterisiert, sondern schön färbt, beteiligt er sich selber an der Politik, der er das Verfehlen des Klimaschutzes zu recht anlastet.
Dies ist eine Stelle, wo deutlich wird, dass – wie Hermann Scheer stets betont hat – Ethik unabdingbar für das Gelingen der Energiewende ist. Das Aufdecken von Unaufrichtigkeiten ist schmerzhaft, aber erforderlich für den Bewusstseinsschritt, den die Menschen machen müssen, um zu einem gereiften Umgehen mit dem Planeten und mit Ihresgleichen in der Lage zu sein.

Hier das Interview zum Nachhören:
https://www.deutschlandfunk.de/interview-der-woche.867.de.html